Was der Multicheck® wirklich misst – und warum Unternehmen damit bessere Auswahlentscheide treffen
Wer Lernende auswählt, steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Schulnoten allein sind subjektiv sagen oft zu wenig darüber aus, ob jemand die kognitiven Anforderungen einer Lehrstelle tatsächlich mitbringt. Genau hier setzt der Multicheck® an – doch wie verlässlich und differenziert misst er wirklich? Eine aktuelle wissenschaftliche Studie von Beauducel, Bruntsch und Kersting (2024) liefert darauf fundierte Antworten.
Was wurde untersucht?
Anhand von 4'677 Schweizer Teilnehmenden wurde der Multicheck® «Wirtschaft und Administration» mit einem modernen statistischen Verfahren analysiert. Dabei zeigte sich, dass der Multicheck® vier klar voneinander abgrenzbare Fähigkeitsbereiche zuverlässig erfasst:
- Kristalline Intelligenz – z. B. Sprachverständnis, Wortschatz, Grammatik: Wie gut kann jemand mit sprachlichem und erworbenem Wissen umgehen?
- Fluide Intelligenz – z. B. logisches Denken, Analogien, Rechnen: Wie gut kann jemand neue Probleme eigenständig lösen
- Gedächtnis – Wie gut werden Informationen aufgenommen und behalten?
- Grundfertigkeiten/Bearbeitungsgeschwindigkeit – z. B. Konzentration, Organisationsgeschick, Umgang mit Kunden und im Team: Wie sicher und effizient werden praxisnahe Routineaufgaben bewältigt?
Was heisst das konkret für Berufsbildnerinnen und Berufsbildner?
Der Multicheck® liefert nicht einfach eine einzige Zahl, sondern ein differenziertes Profil kognitiver Stärken. Das ermöglicht es, gezielt zu prüfen, ob die Fähigkeiten einer Bewerberin oder eines Bewerbers zum Anforderungsprofil der Lehrstelle passen. Braucht die Stelle vor allem sprachliches Geschick? Oder ist schnelles, sorgfältiges Arbeiten unter Zeitdruck entscheidend? Mit dem Multicheck® lassen sich solche Fragen auf einer wissenschaftlich abgesicherten Grundlage beantworten – eine wesentlich solidere Basis als Schulnoten oder der persönliche Eindruck allein.
Was ist das Besondere an der Studie?
Die Autoren zeigen zudem, dass bisherige statistische Standardverfahren die einzelnen Fähigkeitsbereiche zu ähnlich erscheinen lassen – die Unterschiede zwischen den Bereichen werden verwischt. Mit einem verbesserten Berechnungsverfahren lässt sich dieses Problem beheben, was die Trennschärfe des Profils weiter erhöht. Kurz: Unternehmen können sich darauf verlassen, dass die verschiedenen Werte im Multicheck®-Zertifikat tatsächlich unterschiedliche Fähigkeiten abbilden.
Referenz: Beauducel, A., Bruntsch, R. & Kersting, M. (2024). Disentangling fluid and crystallized intelligence by means of Bayesian structural equation modeling and correlation-preserving mean plausible values. Psychological Test and Assessment Modeling, 66, 3–29.